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Pilotprojekt - Spezialkästen für die Nordfledermaus

Als Sommerquartiere nutzen Nordfledermäuse größtenteils Spalten in und an Gebäuden, z. B. hinter Holzschindeln und Verkleidungen, im Dachbereich und ganz typisch auch hinter der Verschieferung von Schornsteinköpfen. Durch Um- und Ausbau und Sanierungen verschwinden viele ihrer Quartiere. Die üblichen Fledermausflachkästen werden von der Nordfledermaus jedoch nicht als Ersatz angenommen. Es wird vermutet, dass die zu geringe Innenraumgrößen und daraus resultierend das ungünstige Innenraumklima die Ursache dafür sind.

Im Rahmen des Projektes „Maßnahmeplanung und Untersuchungen zur Sicherung und Verbesserung der Quartiersituation der FFH-Art Nordfledermaus in Sachsen“ wurde durch das Naturschutzinstitut Freiberg ein großvolumiger, mehrkammeriger Kasten entworfen. Dieser Entwurf soll nun umgesetzt und getestet werden. Dafür wurde eine Detailskizze in Auftrag gegeben. Anhand dieser Vorlage wurden zwei Firmen im Frühjahr 2022 mit der Fertigung der Kästen beauftragt. Währenddessen wurden geeignete Standorte gesucht. Folgende Kriterien sollten dabei berücksichtigt werden:

  • Die Nordfledermaus ist eine Gebäude- und Siedlungsfledermaus, daher sollten sich die Gebäude vorzugsweise im Siedlungsbereich oder an Siedlungsrändern befinden.
  • Da die Kästen in 5 bis 6 m Höhe angebracht werden sollen, brauchen die Gebäude eine gewisse Mindesthöhe (und Stabilität um die Kästen zu tragen).
  • Die Gebäudewand mit den Kästen sollte gut besonnt sein, die Südseite wäre optimal, aber auch Ost- und Westseite des Gebäudes sind möglich.
  • Eine zeitweise Beschattung der Kästen durch Einzelbäume stört nicht.
  • Die Ausflugsöffnungen der Fledermauskästen sollten möglichst nicht unmittelbar über stark befahrenen Straßen liegen oder auf Stromleitungen oder ähnliche Hindernisse ausgerichtet sein.
  • Die Gebäude dürfen nachts nicht permanent angestrahlt werden (keine Straßenlaternen oder andere Lichtquellen in unmittelbarer Nähe).
  • Im unmittelbaren Quartierumfeld sollen keine Ansitz- bzw. Klettermöglichkeiten für Katzen, Marder u. ä. bestehen.

Zuerst wurde im Forstbezirk Marienberg nach geeigneten Standorten gesucht. Unterstützung kam von Revierleitern im Verbreitungsgebiet der Nordfledermaus, die passende Gebäude meldeten. Bei Ortsterminen wurde geprüft, ob sie als Quartierstandort geeignet sind. Anschließend wurden die Kästen passend zur Fassade gestrichen und angebracht (siehe Fotos). Durch Vermittlung des Landschaftspflegeverbandes Mittleres Erzgebirge wurde ein weiterer geeigneter Standort gefunden und ein Kasten montiert.

Gegen Ende 2022 wurde die Herstellung weiterer Kästen beauftragt. In die Suche nach passenden Standorten sind nun auch Fledermausspezialisten aus den Landkreisen Vogtland und Zwickau eingestiegen. Im Jahr 2023 sollen weitere Nordfledermaus-Kästen hergestellt und montiert werden. Außerdem soll eine langfristige Erfolgskontrolle (auch nach Projektende) realisiert werden.

Nordfledermauskasten am »Wilden Jäger« im Forstrevier Steinbach.
Nordfledermauskasten am »Wilden Jäger« im Forstrevier Steinbach.  © E. Pašalić
An der Dienststelle des Forstreviers Lichtenberg hängt der Nordfledermauskasten seit September 2022.
An der Dienststelle des Forstreviers Lichtenberg hängt der Nordfledermauskasten seit September 2022.  © E. Pašalić
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